Augenzeugenbericht Frau M. zum zweiten Unfall am 12.02.2018

Am 12.02.2018 waren meine Kinder (5 und 8 Jahre alt) und ich auf dem Rosenmontagszug in Köln. Wir standen vor dem LKW, gegen den im Verlauf des Rosenmontagszugs die Kutsche gerast/geprallt ist.

Meine Kinder waren das erste Mal auf dem Rosenmontagszug in Köln. Sie wollten ihren Papa sehen, da dieser wieder als Zugteilnehmer mitgegangen ist. Im Verlauf des Zuges kam es zu einer Lücke und wir konnten von unserem Standort erkennen, dass es wohl zu einem Zwischenfall gekommen war. Welcher Art, konnten wir aus der großen Entfernung nicht erkennen. Da meine Kinder ungeduldig wurden, habe ich ihnen erklärt, dass offensichtlich etwas passiert sei und wir uns gedulden müssen. Nach kurzer Zeit hörte ich auch schon Sirenen und einen Hubschrauber. Es wurde unruhiger, so dass mir klar war, dass etwas Schlimmeres passiert sein musste. In unserer Nähe befanden sich ein paar Polizisten, welche auch mal nach hinten zu der Unfallstelle gelaufen sind. Ca. 10 Minuten nach Stillstand des Zuges kam eine größere Unruhe auf. Auf einmal sah ich, dass eine Kutsche mit zwei Pferden in vollem Lauf die Straße runter, auf uns zugelaufen kamen. Ich konnte erkennen, dass der Kutscher keine Kontrolle über die Tiere/Kutsche hatte, er panisch war und unter Schock stand. Ebenso war Panik in den Augen der Tiere zu erkennen. In dem Moment war mir bewusst, dass ich ganz schnell mit den Kindern vor dem LKW weg musste. Ich konnte nur nach links laufen. Ich schob meine Tochter (5) vor mir her und zog meinen Sohn (8) hinter mir her. Ich hatte unsagbare Angst um meine Kinder, weil ich nicht wusste, welchen Weg die Kutsche einschlagen wird (ob in unsere Richtung, in die wir gerade flüchteten oder in die andere). Dass sie in vollem Lauf gegen den LKW laufen wird, hatte ich nicht angenommen. Meine Tochter und ich waren gerade am Toilettenhäuschen vorbei, als mein Sohn hinter mir über bzw. mit 3-4 Menschen hinfiel, welche ebenso geflüchtet sind und zu Fall kamen. Im Lauf selber haben mein Sohn und ich panisch nach hinten geschaut. In einer Entfernung von ca. 3-4 Meter hinter uns durchschlugen die Pferde die Gitterabsperrung, gingen in die Knie und prallten mit voller Wucht mit dem Körper/Kopf gegen den LKW. Diese Szene haben mein Sohn und ich nicht vergessen. Der Kutscher war blass und stand unter Schock. Meine Kinder schrien und weinten.

Ich bin unfassbar dankbar, dass meinen Kindern und mir, als auch den anderen Menschen nichts weiter passiert ist. Hier kann man nur von sehr großem Glück sprechen. Wäre die Kutsche nach links oder rechts gefahren, wären sehr viele Menschen verletzt oder vielleicht sogar getötet worden. Die Tiere sind nur gestoppt worden, weil hier ein LKW stand.

Noch lange habe ich meinen Kindern erklären müssen, was hier passiert ist. Auch wenn ich die Ursache nicht kenne, warum die Tiere durchgegangen sind, so habe ich erklärt, dass Pferde Fluchttiere sind und hier oft nicht erklärt werden kann, warum ein Tier so oder so reagiert.

Aufgrund meiner Erfahrung spreche ich mich eindeutig gegen Tiere/Pferde im Karnevalszug aus. Von den Tieren geht eine konkrete Gefahr aus. Tiere können noch so gut trainiert sein, Tiere sind unberechenbar. Dies ist wohl auch der Grund, warum der Gesetzgeber grundsätzlich von einer Gefährdungshaftung bei
Tieren ausgeht!

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