Darum Karneval ohne Pferde

Darum gehören Pferde nicht in ( Karnevals- ) Züge:

Missachtung des Tierschutzgesetzes:

  • Paragraph 3 Nr. 1.: „Es ist verboten, einem Tier, außer in Notfällen, Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist…”
  • Paragraf 11 „Es ist verboten ein Tier zu einer Filmaufnahme, Schaustellung oder Werbung heranzuziehen, sofern damit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind„
  • Artikel 20a Grundgesetz:“ Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Stressfaktor:

–      Schon das Verladenist für viele Tiere Stress.

  • Die lange Anreise ( tw. bis zu 100 km ) ,es geht sehr früh los ( oft schon gegen 04Uhr/ 05Uhr) , die Tiere sind oft aufgezäumt – manchmal schon komplett gesattelt (Druckstellen , Verletzungsgefahr durch mögliches Hängenbleiben mit Steigbügel, Zügel oder schlimmer noch: mit dem Gebiss. )
  • Pferde 14-20 Stunden oft insgesamt unterwegs ( mit An,- Abreise)- viele Pferde gehen anderntags schon wieder in einem Veedelszug mit
  • Beobachtete Anzeichen für Stress: Schwitzen ( schon vor Zugbeginn sind viele Pferde komplett nass ), Kopfschlagen ( sehr oft gesehen), tänzeln, Augenrollen, hektisches Ohrenspiel, aufgerissene Augen, rückwärtsrichten, um sich drehen wollen, sich an andere Pferde drängen, leicht steigen…

–      Folgen des Stresses: Koliken, Unruhe auch nachts im Stall noch, Gewichtsabnahme durch Anstrengung ( Kutschpferde verlieren bis zu 100 Kilo im Karnevalseinsatz – das sind rund 10% des Körpergewichtes)

Zusammenstellung/ Herdentrieb/ Rangordnung

–      oft kein Vertrauensverhältnis zum Reiter haben- die meisten Reiter lernen die Pferde erst an dem Tag kennen o kennen sie nur v wenigen Reitstunden

–      Ebenso kann ein anderes, bekanntes Pferd Vertrauen geben ( Rangordnung bei Herdentieren )

–      optimalenZusammenstellung einer Pferdegruppe wird keine Rechnung getragen: Wallache, Stuten, Hengste

–      Alter der Pferde: 6 – 22 Jahre sind vorgegeben- auch jüngere können unter Arthrose etc leiden.

  • Reiterliches Können oft nicht ausreichend – auch nicht nach 35 Reitstunden, die vorgegeben sind

–      Gewichtsverhältnis Pferd/ Reiter: Faustregel: Reiter sollte 1/7 des Pferdegewichtes max. haben

–      oft  Kandarre  als Zaum ( sehr scharfes Gebiss, das nur in sehr erfahrene Hände gehört

–      Manche Tiere mit Winterfell bekommen zusätzliche Decken und schwitzen dadurch noch mehr, andere sind geschoren und haben keine Decken und frieren.

  • Es sollen vorrangig Kaltblüter eingesetzt werden, weil deren Gemüt als ruhiger gilt- im Zug 2017 und 2018 nicht umgesetzt- nur Kutschpferde waren weitestgehend Kaltblüter

–      Kutschen sind oft zu schwer für die lange Strecke und Anzahl der vorgespannten Pferde – ständiges STOP and Go ist ein enormer Kraftakt für die Pferde- vor allem über Sand eine Kutsche zu ziehen und über Wegunebenheiten

Hufe:

–      auf dem Geläuf ( Asphalt , Sand und Kopfsteinpflaster) wäre besonderer Beschlag von Nöten- zu teuer !

–      stundenlanges Gehen auf Asphalt ist für Eisenträger und auch Barhufer eine enorme Belastung für die Gelenke.

Fluchtinstinkt:

  • angeborener Urinstinkt- kann weder durch die Zucht noch durch Ausbildung vollständig ausgelöscht werden
  • natürliche Fluchtdistanz = 400-600 Meter ( = so weit rennt ein Pferd unkontrolliert in Panik- erst dann kann man wieder auf es einwirken)

Futter/Wasser:  

  • Pferde sollen mind alle 4 Stunden kleine Portionen fressen- Magen fasst 8- 15 Liter- im Zug nicht gegeben

-Wasser ist so wichtig wie Futter. Ein Pferd trinkt durchschnittlich 35 Liter täglich.

  • Offiziell heisst es, die Tiere könnten auch während des Zugweges an Hydranten getränkt werden- aber nur in der Theorie, beobachtet wurde das noch nie- das Tränken der Pferde würde den Fluss des Zuges aufhalten, was natürlich nicht gewünscht ist.
  • Dehydration: durch starkes Schwitzen bei nicht genügendem Tränken – ist schnell lebensbedrohlich
  • 10-12 Liter Schweiß schneidet Pferd bei Anstrengung und Stress pro Stunde aus

Sedierung:

–      Sedierungen sind verboten, kommen aber immer wieder vor. Das Veterinärsamt schafft es nicht annähernd, die Pferde alle zu testen: Blutproben erst seit 2012 durchgeführt =2015 : 2 positiv get Tiere v 6, 2016- keine Pferde im Zug wegen Sturm, 2017- kein positiv get. Tier v 6, 2018: 1 positiv get. Pferd v 50

–      Sedierungen können zu paradoxen Reaktionen führen, wenn die Wirkung nachlässt, das Gewicht des Pferdes und somit die Dosis falsch eingeschätzt wurde

–      Seduktions- Salbe unter den Lippen kann im Blut oft nicht nachgewiesen werden

–      Blutentnahme für den Sedierungstest zusätzlicher Stress und Schmerz

–      Anzeichen für Sedierung: Kopf hängen lassen, Ausschachten ( = Schlauch/Penis heraushängen lassen), einknicken, halb geschlossene Augen, Zunge heraushängenlassen

Training/ Vorbereitung auf den Zug:

Desensibilisierungstraining ist zeit,- und kostenintensiv – wird zumindest bei Pferden aus Verleihställen nicht angewandt

Sicherheit:

–      keine Fluchtwege für Zuschauer oder durchgehende Pferde, die in Panik einfach losrennen, egal ob da ein Hindernis ist oder nicht

–      Da sind Kinder die Kamelle unter den Pferdekörpern aufsammeln und rutschende Pferde auf glattem Asphalt durch Nässe, Glatteis, platten Süssigkeiten

–      Wurfgeschosse wie Kamelle, Flaschen, Strüssjer, Pralinen, Apfelsinen können die Tiere jederzeit treffen

–      Wir fordern eine Auflage, dass Reiter und Führer Reithelmund Schuhe mit Schutzkappen zur eigenen Sicherheit tragen sollen

–      Polizei und Ordnungsamt sind schon ausgelastet damit, den Zug vor Einwirkungen von aussen zu schützen. (Terroranschläge) ,Verhalten der Zuschauer verändert sich- wird aggressiver, es kommen immer mehr Leute

Die Sinne der Pferde: 

Augen:

  • 350 Grad Rundumsicht, 285 Grad des Gesichtsfeldes besitzen keine Tiefenschärfe, so dass schon kleine Schatten auf der Erde für ein Loch gehalten werden können. Scheuklappenhalten zwar einige Reize ab, verunsichern das Pferde aber auch, weil es nicht sehen kann, was um es herum passiert

Ohren:

  • Hörvermögen ist hochsensibel und um ein Vielfaches ausgeprägter als bei uns
  • Mit 40.000 Hertz pro Sekunde doppelt so hoher Schallbereich als beim Menschen
  • Pferde nehmen also bis zu 000 Schallschwingungen pro Sekunde wahr.
  • Wir haben bis zu 102 Dezibel gemessen an Stellen wo Lautsprecher hingen- dagegen helfen auch die kleinen Häkeldeckchen über den Ohren nichts
  • tw sitzt ein Reiter mit einer Fanfare oder eine Trommel AUF dem Pferd oder die Pferde gehen direkt hinter eine Kapelle.