Fienche un der Tünn … bald weed alles joot im Rusemondachszooch! (Kapitel 1 – de Musik)

11Das Festkomitee hat sich dazu entschieden, mit weiteren Maßnahmen den Einsatz von Pferden im Rosenmontagszug sicherer zu machen. Zum Beispiel soll vor den Tribünen die Musik ausgemacht werden, sobald Pferde vorbeigehen … ist das sinnvoll?

Wir haben heimlich zwei Betroffene in einer Diskussion belauscht … und machen das jetzt jede Woche bis zum Rosenmontag!

 

Was die Presse von dem Urteil hält!

Wir wollen hier einfach nur einmal beispielhaft den Beitrag des WDR aufzeigen, der das Urteil des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden in der Anhörung vom 13.09.2018 bewertet:

Augenzeugenbericht Frau M. zum zweiten Unfall am 12.02.2018

Am 12.02.2018 waren meine Kinder (5 und 8 Jahre alt) und ich auf dem Rosenmontagszug in Köln. Wir standen vor dem LKW, gegen den im Verlauf des Rosenmontagszugs die Kutsche gerast/geprallt ist.

Meine Kinder waren das erste Mal auf dem Rosenmontagszug in Köln. Sie wollten ihren Papa sehen, da dieser wieder als Zugteilnehmer mitgegangen ist. Im Verlauf des Zuges kam es zu einer Lücke und wir konnten von unserem Standort erkennen, dass es wohl zu einem Zwischenfall gekommen war. Welcher Art, konnten wir aus der großen Entfernung nicht erkennen. Da meine Kinder ungeduldig wurden, habe ich ihnen erklärt, dass offensichtlich etwas passiert sei und wir uns gedulden müssen. Nach kurzer Zeit hörte ich auch schon Sirenen und einen Hubschrauber. Es wurde unruhiger, so dass mir klar war, dass etwas Schlimmeres passiert sein musste. In unserer Nähe befanden sich ein paar Polizisten, welche auch mal nach hinten zu der Unfallstelle gelaufen sind. Ca. 10 Minuten nach Stillstand des Zuges kam eine größere Unruhe auf. Auf einmal sah ich, dass eine Kutsche mit zwei Pferden in vollem Lauf die Straße runter, auf uns zugelaufen kamen. Ich konnte erkennen, dass der Kutscher keine Kontrolle über die Tiere/Kutsche hatte, er panisch war und unter Schock stand. Ebenso war Panik in den Augen der Tiere zu erkennen. In dem Moment war mir bewusst, dass ich ganz schnell mit den Kindern vor dem LKW weg musste. Ich konnte nur nach links laufen. Ich schob meine Tochter (5) vor mir her und zog meinen Sohn (8) hinter mir her. Ich hatte unsagbare Angst um meine Kinder, weil ich nicht wusste, welchen Weg die Kutsche einschlagen wird (ob in unsere Richtung, in die wir gerade flüchteten oder in die andere). Dass sie in vollem Lauf gegen den LKW laufen wird, hatte ich nicht angenommen. Meine Tochter und ich waren gerade am Toilettenhäuschen vorbei, als mein Sohn hinter mir über bzw. mit 3-4 Menschen hinfiel, welche ebenso geflüchtet sind und zu Fall kamen. Im Lauf selber haben mein Sohn und ich panisch nach hinten geschaut. In einer Entfernung von ca. 3-4 Meter hinter uns durchschlugen die Pferde die Gitterabsperrung, gingen in die Knie und prallten mit voller Wucht mit dem Körper/Kopf gegen den LKW. Diese Szene haben mein Sohn und ich nicht vergessen. Der Kutscher war blass und stand unter Schock. Meine Kinder schrien und weinten.

Ich bin unfassbar dankbar, dass meinen Kindern und mir, als auch den anderen Menschen nichts weiter passiert ist. Hier kann man nur von sehr großem Glück sprechen. Wäre die Kutsche nach links oder rechts gefahren, wären sehr viele Menschen verletzt oder vielleicht sogar getötet worden. Die Tiere sind nur gestoppt worden, weil hier ein LKW stand.

Noch lange habe ich meinen Kindern erklären müssen, was hier passiert ist. Auch wenn ich die Ursache nicht kenne, warum die Tiere durchgegangen sind, so habe ich erklärt, dass Pferde Fluchttiere sind und hier oft nicht erklärt werden kann, warum ein Tier so oder so reagiert.

Aufgrund meiner Erfahrung spreche ich mich eindeutig gegen Tiere/Pferde im Karnevalszug aus. Von den Tieren geht eine konkrete Gefahr aus. Tiere können noch so gut trainiert sein, Tiere sind unberechenbar. Dies ist wohl auch der Grund, warum der Gesetzgeber grundsätzlich von einer Gefährdungshaftung bei
Tieren ausgeht!

Stellungnahme des bmt zur Entscheidung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden gegen ein Verbot von Pferden im Karneval

Die Hand zu heben und aktiv für Tierleid und somit gegen die Sicherheit der Zuschauer der Kölner Karnevalszüge zu stimmen, ist in der heutigen Zeit, wo Begriffe wie Gewaltprävention, Integration, Mitgefühl oder Stressvermeidung unser täglich Brot sind, ein regelrechtes Armutszeugnis – in diesem Fall von den Kölner Kommunalpolitikern.

Wie einfach wäre es gewesen, eine klare Entscheidung zu treffen, die eigenen persönlichen Vorzüge und Ansichten einfach einmal hinter das Wohl von Mensch und Tier zu stellen und für das Verbot zu stimmen – eine geradlinige Entscheidung halt.

Auch wenn wir als Mitglied des Netzwerkes für Tiere Köln an dem Tag erfolglos waren, kamen die „Sieger“ weiß Gott nicht als siegreich rüber. Das Verhalten der Verbotsgegner im Zuschauerraum, die zum Beispiel den Vorschlag der Grünen, die Anzahl der Pferde zu halbieren – also auf 200 – ausgelacht haben, war mehr als befremdlich. Wo besteht die Sorge?  Wenn es für die pferdenutzenden Karnevalisten unvorstellbar ist, auf ihre „Beförderungshilfe“ zu verzichten, könnte man ja über eine Kürzung des Zugwegs nachdenken.

Wir werden die Kölner Karnevalszüge und speziell den Rosenmontagszug weiter begleiten und dokumentieren und wir werden nicht aufgeben – für die Menschen und für die Tiere. Wir sind alle Kölner und wollen einen friedlichen und fröhlichen Karneval, der nicht auf dem Leid der Pferde basiert und den man, ohne um sein Leben zu fürchten, feiern kann.

Sollte es in der nächsten Session wieder zu Vorfällen kommen, sind wir sehr gespannt, ob sich die Kölner Politik in ihrer Verantwortung zeigt – der Zeugenbericht, der gestern von den Petenten des Netzwerks für Tiere Köln u. a. vorgelesen wurde und der die Unfassbarkeit des Kutschenunfalls 2018 dokumentiert, hätte für jeden Menschen mit Herz und Verstand reichen müssen, um zur richtigen Meinung zu kommen.

Mit dem kölschen Leitsatz „Et hät noch immer jot jejange“ können die Verantwortlichen der Stadt Köln und die des Festkomitees jedenfalls nicht in die nächste Session starten – erst recht nicht in seiner korrekten Bedeutung: „Lerne aus der Vergangenheit“.

Statement einer Petentin der Eingabe „Verbot von Pferden im Kölner Rosenmontagszug“, Natalie Steffen – Netzwerk für Tiere Köln

Das Ergebnis der Anhörung vor dem Beschwerdeausschuss am 13.09.2018 in Köln war absehbar: Schon am Vortag hatte der Kölner Stadtanzeiger die Entscheidung des Ausschusses vorweggenommen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Fraktionen besprechen sich vor der Anhörung schon und die Ausschussmitglieder geben die Entscheidung dann nur weiter.

Dennoch ist es enttäuschend, dass alle Argumente, die Aussagen von Betroffenen des Unfalls und unser eindringlicher Appell an die Vernunft der Entscheidungsträger ins Leere liefen. Immerhin sprachen sich die Linke und auch die Grünen für ein Verbot aus bzw. forderten weitere Auflagen, doch gegen die Übermacht von SPD, CDU und FDP kam nichts an. Zu sehr ist die Kölner Politik wohl dem Karnevals Komitee verpflichtet – ein Beispiel für den Kölschen Klüngel par excellence.

Dass so viele Mitglieder der Reitercorps aufmarschiert sind am 13.09.18 ist ein Zeichen dafür, dass man erkannt hat, dass der Unfall beim Rosenmontagszug vieles ins Rollen gebracht hat und man unser Engagement ernst nimmt.

Hier findet ihr die offizielle Pressemitteilung des NTK, der Stellungnahme der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V. ( DJGT) sowie die Präsentation des NTK während der Ausschusssitzung.